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Schließung der Meeresfischzuchtanlage Völklingen

In der Meeresfischzuchtanlage in Völklingen (MFV), im Saarland, werden seit 2014 um die 700.000 Meeresfische (Europäischer Wolfsbarsch, Dorade Royal, Russischer Stör und Yellowtail Kingfish) gehalten. Die Massentierhaltung unter Wasser ist ein Versuch, Meeresfische fern ihres natürlichen Lebensraumes, fern ihrer natürlichen Lebensbedingungen und fern ihrer Bedürfnisse zu mästen und ihr Fleisch zu verkaufen.


Fischzucht erhöht das Problem der Überfischung
Die 700.000 Fische in der MFV werden mit Fischmehl gefüttert, das aus wild lebenden Meeresfischen hergestellt wird. Für die Produktion von einem Kilogramm „Zuchtfisch" werden etwa 3 - 4 Kilogramm „Wildfisch" benötigt. Das Problem der Überfischung erhöht sich folglich um ein Vielfaches.

Massentierhaltung unter Wasser: Ein Paradies für Viren und Parasiten
Aufgrund der immensen Enge und der unnatürlichen Lebensbedingungen kam es bereits (mindestens) zweimal innerhalb eines Jahres zum Massensterben von Fischen, bedingt durch einen Virus und einen Parasitenbefall.

Nach Millionenverlusten: Stadt gibt auf
Ursprünglich waren die Stadtwerke Völklingen die Inhaber der MFV, aber aufgrund der Millionenverluste verkauften sie die Anlage im Sommer 2015 an die „Fresh Völklingen GmbH". An ihr sind laut Medienberichten mehrere Schweizer Investoren beteiligt.

Unsere Kampagne zur Schließung der Anlage

  • Januar 2015: Massenhaftes Störsterben - Appell an den Bürgermeister: Nachdem im Januar 2015 eine Viruserkrankung zum Sterben tausender Störe geführt hatte, wandten wir uns schriftlich an den Oberbürgermeister der Stadt, sowie an den Geschäftsführer (der Bürgermeister) und forderten die Schließung der Fischzuchtanlage. Wir schlugen vor, die Millionenbeträge lieber in Bürgerprojekte zu investieren und die katastrophale Anlage aufzugeben- anstatt die Besatzdichte weiter zu erhöhen, wie es die Verantwortlichen tatsächlich erwogen hatten. Doch wir forderten "ein Ende mit Schrecken statt ein Schrecken ohne Ende."
  • Februar 2015: Erstattung einer Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Saarbrücken gegen die Betreiber der Meeresfischzuchtanlage Völklingen bzw. die für das Tierwohl /den Betrieb verantwortlichen Mitarbeiter der Fischzuchtanlage, sowie gegen zwei zuständige Amtstierärzte: Gemeinsam mit dem Saarländer Verein „Bündnis für Tierrechte" erstatteten wir im Februar Strafanzeige gegen die Verantwortlichen wegen Verstoßes gegen die Fischseuchenverordnung, das Tierschutzgesetz und die Tierschutzschlachtverordnung. Das Hauptargument war: Die kranken und leidenden Störe ließ man lange Zeit qualvoll im Becken sterben, statt sie zu erlösen.
  • Frühjahr / Sommer 2015: Im August wurde die Anlage an die „Fresh Völklingen GmbH" verkauft. Doch die Fischzucht geht weiter.
  • Juli / August 2015: Erneute Erstattung einer Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Saarbrücken gegen die für die Betäubung und Schlachtung verantwortlichen Mitarbeiter der Meeresfischzuchtanlage.

Begründung: Nachdem ein Parasit die Wolfsbarsche befallen hatte, wurden 50.000 Tiere aus tierschutzwidrig „notgeschlachtet". Deshalb erstatteten wir erneut gemeinsam mit Bündnis für Tierrechte Anzeige gegen die Verantwortlichen Mitarbeiter der Meeresfischzuchtanlage. In Medienberichten hieß es: „Eigens eingestellte Leiharbeiter trieben die Wolfsbarsche unterschiedlicher Gewichtsklassen mit Netzen zusammen, fischten sie ab. Dann wurden sie mit Strom betäubt und tierschutzgerecht in Eiswasser getötet." Die Umstände, unter denen die Betäubung und Tötung durchgeführt wurde, legen jedoch den Verdacht auf Verstöße gegen die Tierschutz-Schlachtverordnung sowie gegen das Tierschutzgesetz nahe. Seit einigen Jahren ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass Fische genauso wie andere Tiere Stress, Angst und Schmerzen empfinden. Die Betäubung einer großen Anzahl von Fischen unterschiedlicher Größen bzw. Gewichtsklassen durch Strom birgt aber die Gefahr, dass eine gleichmäßige und unmittelbare Betäubung nicht erfolgt ist, sondern größere Tiere bei vollem Bewusstsein nicht nur den Durchfluss des Stroms, sondern auch die langsame und qualvolle Tötung in Eiswasser erleben mussten. Die Folge ist ein erhebliches und lang anhaltendes Leiden, das zwingend hätte vermieden werden müssen; dies ergibt sich aus § 4 Abs. 1 Satz 1 Alt. a TierSchG i.V.m. § 12 Abs. 10 Satz 1, Anlage 1 Nr. 9 Ziffer 9.1 TierSchlV.

Sie können helfen:

  • Bestellen und verteilen Sie kostenlos unsere Flugblätter über Fische.
  • Essen Sie keine Fische mehr.
  • Schreiben Sie der Fresh Völklingen GmbH und fordern Sie sie freundlich auf, die Fischzucht aufzugeben und stattdessen zum Beispiel Algen zu züchten.
  • Unterstützen Sie unsere Arbeit mit einer Spende oder Mitgliedschaft.


Importverbot lebender Hummer und Abgabeverbot lebender Hummer in Deutschland

© Harald Schottner / pixelio.de

Mit der Bitte, per Gesetz ein Importverbot von Hummern unter Bezugnahme auf Art. 36 AEUV (Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union) zu erlassen, sowie den Transport und die Abgabe lebender Hummer in Deutschland per Gesetz zu verbieten, haben wir uns im Januar 2015 an Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt gewandt - in einem gemeinsamen Brief mit ANIMALS UNITED e.V., SOKO Tierschutz e.V., Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt und der Erna-Graff-Stiftung für Tierschutz.

Im August 2015 antwortete uns Bundesminister Schmidt. Hier ein Auszug der Antwort:
"Das BMEL beabsichtigt, noch im Verlauf diesen Jahres eine weitere Änderung der nationalen Tierschutz-Schlachtverordnung vorzulegen, die auch eine Anpassung der derzeit bestehenden Regelungen zur Hälterung und zum Verkauf von Krebstieren unter Berücksichtigung des aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstandes vorsieht. Ihre Anmerkungen werden in diesem Zusammenhang geprüft werden."


Warum ein Importverbot von lebenden Hummern nach Deutschland?

Transport
Die große Mehrheit der Hummer wird in Kanada und in den USA gefangen. Die Tiere werden häufig nach dem Fang bereits im Herkunftsland über Wochen bis Monate mit zusammengebundenen Scheren, übereinandergestapelt und ohne Nahrung gehältert um saisonal bedingte Schwankungen auszugleichen und dann über tausende von Kilometern in feuchten Kartons nach Deutschland geflogen. Spätestens nach 36 Stunden Transport außerhalb des Wassers steigt die Sterblichkeitsrate stark an. Viele der streng aquatisch lebenden Tiere werden auf der langen Strecke aufgrund der Enge und des fehlenden Meerwassers krank oder sterben. Sie vergiften sich selbst, da sie außerhalb des Wassers den im Stoffwechsel anfallenden wasserlöslichen Ammoniak nicht abatmen können. Ab dem Zeitpunkt, an dem sie aus dem Wasser genommen werden, beginnen sie langsam aber sicher zu ersticken.


Hälterung
Im Handel und in deutschen Gastronomiebetrieben, werden Hummer weiterhin übereinandergestapelt und mit zusammengebundenen Scheren mehrere Tage bis Wochen ohne Nahrung gelagert. Hummer sind in der Natur Einzelgänger mit ausgeprägtem Revierverhalten, haben aber in den Wasserbecken der Hälterungsanlagen kaum oder keine Rückzugsmöglichkeit. Daher kommt es zu Angriffen, Verletzungen und zu Kannibalismus, die permanenten Stress für die Tiere bedeuten.

Verkauf
Da Hummer zu den wenigen Tierarten gehören, die in der EU lebend an Kunden verkauft werden dürfen, kann jeder Kunde den Hummer zuhause nach Belieben lagern und töten. Oftmals werden die lebenden Hummer bereits im Laden schon tierschutzwidrig in Plastiktüten gepackt und ohne Wasser oder feuchte Unterlage den Kunden mitgegeben. Immer noch ist es gängige Praxis die lebenden Tiere bis zum "Gebrauch" in den Kühlschrank zu legen, wo sie langsam und qualvoll ersticken. Derartige Vorkommnisse werden auch von Lebensmittelkontrolleuren berichtet, die sterbende oder auch schon tote Hummer in den Kühlschränken bei Gastronomen fanden.

Tötungsmethode
Kaum ein Kunde kennt die Tierschutzschlachtverordnung und es ist nicht überprüfbar, ob und wie er diese anwendet. Die Tötung in kochendem Wasser ist eine extrem qualvolle Methode, aber wenn der Käufer einen Hummer anstatt in kochendes Wasser zunächst in kaltes Wasser legt oder mehrere Hummer gleichzeitig kocht, erhöht sich die Qual um ein Vielfaches. Die wenigsten Haushalte dürften über Töpfe verfügen, die groß genug sind, um das Tier in sprudelnd kochendem Wasser schnell zu töten.

Schmerz und Leiden
Nicht nur hat ein Gericht in Österreich bereits festgestellt, dass die übliche Hälterung der Hummer im Großhandel tierschutzwidrig erfolgt, sondern inzwischen haben auch unabhängige Wissenschaftler gezeigt, dass Krebstiere, ebenso wie Fische ein Schmerzempfinden zeigen (1 - 3) und z.B. schmerzauslösende Reize gezielt meiden. Einer neuen Studie zufolge konnte für einige Krebstiere sogar Angstempfinden nachgewiesen werden (4). Auch haben Hummer weitaus höhere kognitive Fähigkeiten als bisher angenommen, verfügen über ein komplexes Verhaltensrepertoire, ein Bewusstsein und sogar ein Gedächtnis. Da Hummer über biologische Strukturen verfügen, die zur Übermittlung von Schmerz geeignet sind, sowie kognitive Leistungen wie Lernen, Erinnern, Assoziieren und Verallgemeinern ermöglichen, werden Krebstiere von der EFSA in Kategorie 1 eingestuft (können eindeutig Schmerz und Stress empfinden und verdienen Schutz). (5)
Aus all diesen Gründen sollte ein wochenlang andauerndes, qualvolles Prozedere, das mit dem Fang und der Hälterung der Hummer am Herkunftsort beginnt und mit dem Tod im Kühlschrank oder Kochtopf endet, unterbleiben.

In der Schweiz fordert die Vereinigung der Kantonstierärzte ein Importverbot lebender Hummer vom Bund
In Basel störte sich eine Kundin über die Tierquälerei (lebende Hummer auf Eis) und informierte den Basler Kantonstierarzt. Dieser analysierte die Situation in der Schweiz. Dabei zeigte sich, dass nicht nur die Präsentation der lebenden Hummer auf Eis ein Problem ist, sondern auch der Transport in engen Kisten. Die Tiere könnten sich darin kaum bewegen und teilweise würden die Antennen beschädigt. Dies löse bei den Tieren Stress aus. Die Vereinigung der Kantonstierärzte fordert nun vom Bund ein Importverbot von lebenden Hummern. Wie das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) den Redakteuren von «Espresso» mitteilte, braucht man für ein Import-Verbot von lebenden Hummern aber auch einen politischen Vorstoß aus dem Parlament. (6)

So können Sie helfen:
Bitte schreiben auch Sie an Bundesminister Schmidt und fordern Sie ihn freundlich dazu auf, ein Importverbot von lebenden Hummern und ein Verkaufsverbot von lebenden Hummern auf den Weg zu bringen.

Anschrift
Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, Herrn Bundesminister Christian Schmidt, 11055 Berlin, E-Mail: poststelle@bmel.bund.de

Musterbrief
Importverbot für lebende Hummer

Sehr geehrter Herr Bundesminister Schmidt,

wie Studien zeigen, sind Hummer und andere Krustentiere empfindsa­me Wesen und verfügen über ein ausgeprägtes, feines Nervensystem, das Schmerz empfindet. Trotz dieser Erkenntnis werden sie noch immer schweren Leiden ausgesetzt:

  • beim Transport, bei dem die Hummer über tausende von Kilometern in fast trockenen Boxen übereinander gestapelt sind und oftmals qualvoll ersticken,
  • bei der tage- und wochenlangen Hälterung in kahlen Becken ohne Nahrung und mit zusammengebundenen Scheren,
  • bei der - tierschutzwidrigen - Abgabe lebendiger Tiere in Plastiktüten an Kunden,
  • bei der mehrere Minuten dauernden, grausamen Tötung in kochendem Wasser.

Hinzu kommt, dass keine Behörde überprüfen kann, was mit den Hum­mern beim Endverbraucher passiert, wie sie gelagert und getötet wer­den.

Ich wende mich deshalb heute mit der Bitte an Sie, ein Importver­bot lebender Hummer auf den Weg zu bringen. Den Tieren würde da­mit großes Leid erspart werden.

Mit freundlichen Grüßen

 

Quellen
(1) Elwood, R.W. (2012). Evidence for pain in decapod crustaceans. Animal Welfare, 21 (2), 23-27(5).
(2) Magee, B. and Elwood, R. W. (2013). Shock avoidance by discrimination learning in the shore crab (Carcinus maenas) is consistent with a key criterion for pain. J. Exp. Biol. 216, 353-358.
(3) The EFSA Journal (2005) Opinion on the Aspects of the biology and welfare of animals used for
experimental and other scientific purposes 292, 1-46.
(4) Fossat et al. (2014) Anxiety-like behavior in crayfish is controlled by serotonin. Science 13 June 2014. Vol. 344 no. 6189 pp. 1293-1297
(5) www.efsa.europa.eu/en/efsajournal/doc/292.pdf
(6) http://www.srf.ch/konsum/themen/konsum/import-von-lebendem-hummer-bald-verboten

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