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Fischerei

Fischerei

Foto: © Erwin Lorenzen /pixelio.de

Fische leben schon seit mehr als 400 Millionen Jahren auf der Erde. Die ersten Landwirbeltiere stammen von Fischen ab, sie sind also in gewisser Hinsicht unsere Ururgroßeltern. Aber wir gehen nicht zimperlich mit unseren schuppigen Vorfahren um. Denn jedes Jahr werden mehr Fische zur menschlichen Ernährung getötet als all die anderen Milliarden Tiere (Kühe, Schweine, Hühner, u.v.a.) zusammen genommen.

Erschreckende Zahlen
Durchschnittliche Anzahl der wild gefangenen Fische pro Jahr: 1800 Milliarden. (1)
Durchschnittliche Anzahl der in der Aquakultur geschlachteten Fische pro Jahr : 80 Milliarden. (2)
Durchschnittliche Anzahl der Fische pro Jahr, aus denen Fischmehl und -öl gemacht wird: 725 Milliarden. (3)

Insgesamt sind dies durchschnittlich 2600 Milliarden Fische.
Im Vergleich: 60 Milliarden Landwirbeltiere werden jedes Jahr weltweit geschlachtet.

Kommerzieller Fischfang
Fische werden zu Tausenden in teils fußballfeldgroßen Netzen gefangen und zusammengequetscht.
Aufgrund des Druckunterschieds zwischen Wasser und Land kommt es vor, dass ihre Schwimmblase platzt, ihre Augen aus den Höhlen quellen und der Magen aus dem Mund gepresst wird.
An Bord des Schiffes ersticken Fische oftmals langsam und qualvoll. Viele Tiere sind aber auch noch bei Bewusstsein, wenn sie aufgeschnitten und „ausgenommen" werden. Laut Tierschutzschlachtverordnung müssen Fische vor dem Schlachten betäubt werden. Sie dürfen nicht lebend außerhalb des Wassers gelagert werden. Doch auf großen Fischerbooten gelten diese Vorschriften nicht, da es nur mit unverhältnismäßig hohem Aufwand möglich wäre, eine Betäubung durchzuführen.)

Aquakultur
Fast die Hälfte der heute konsumierten Lachse und Süßwasserfische stammen aus der Massentierhaltung unter Wasser. Wie bei jeder Intensivtierhaltung gibt es auch hier immense Probleme: Weil Fische auf engstem Raum zusammengepfercht sind, breiten sich Krankheiten und Parasiten rasend schnell aus. 10 - 20% der Forellen auf Aquafarmen sterben aufgrund der hohen Besatzungsdichte, Verstümmelungen und Krankheiten. Die Hälfte leidet an Herzmuskelentzündung und 90% haben eine Fettdepotablagerung am Herzen. (4) Fischläuse beißen den Fischen ganze Fleischstücke aus Kopf und Körper. Sie dringen durch die Netze auch nach außen und dezimieren Wildfischbestände.
Nur durch eine hohe Dosis Antibiotika können Krankheiten und Parasiten eingedämmt werden. Die Norweger geben zusätzlich auch Diflubenzuron ins Wasser, ein Insektizid, dessen Einsatz auf EU-Farmen verboten ist. Auf dem Notizzettel steht: sehr giftig für Meeresorganismen, mit unerwünschten Langzeitnebenwirkungen. (4)

Die Fischzucht verstärkt auch das Problem der Überfischung: Fische in der Aquakultur werden mit Fischmehl gefüttert; das wiederum wird aus wild gefangenen Fischen hergestellt. Für die Produktion von einem 1 kg „Zuchtfisch" werden 3 – 4 kg „Wildfisch" benötigt, sprich das Problem der Überfischung erhöht sich um ein Vielfaches.

Angeln
Millionen Fische werden jedes Jahr weltweit aus Seen, Flüssen und Meeren gezogen. In eine Falle gelockt, werden sie am Haken aufgespießt und in die Luft gezogen, wo sie mit ihren Kiemen nicht atmen können. Bestenfalls erhalten sie dann einen Schlag auf den Kopf bevor man sie aufschneidet, aber oftmals ersticken sie langsam und qualvoll oder werden noch lebend aufgeschnitten und ausgenommen.

Der Verzehr von Fisch ist nicht gesund
Da sich giftige Stoffe wie Quecksilber, PCB's und Dioxine im Fischfleisch anreichern und krebserregend sind, vermuten Wissenschaftler, dass das gesundheitliche Risiko beim Fischverzehr höher ist als der eventuelle Gewinn durch die Aufnahme von Omega3 Fettsäuren. (4)

Fische fühlen Schmerz
Fische sind Wirbeltiere mit einem Gehirn, einem zentralen Nervensystem und zahlreichen Schmerzrezeptoren. Internationale Studien beweisen, dass Fische Schmerzen empfinden. Das britische Biologenteam Sneddon, Braithwaite und Gentle demonstrierte beispielsweise in einer Studie, dass Regenbogenforellen typische Schmerzreaktionen zeigen, wenn ihnen Bienengift oder Essigsäure in die Lippen gespritzt wird. Die Fische machten ruckhafte Zuckungen und rieben die Lippen am Kies des Fischtanks in dem Versuch, den Schmerz loszuwerden. Auch begannen sie viel später wieder zu essen als Fische, denen nur Salzwasser gespritzt worden war. Damit seien alle Kriterien für ein typisches Schmerzempfinden bei Fischen erfüllt, sagt Sneddon. Besonders empfindlich reagieren die Schmerzrezeptoren der Forellen aber auf Verletzungen, wie sie an Angelhaken vorkommen: Diesbezüglich seien Fische etwa so empfindlich wie Säugetiere in den Augen, sagt die Biologin.
Obwohl wir Fische nicht schreien hören, weil sie im Niederfrequenzbereich kommunizieren, sollte ihr Verhalten Beweis genug für ihr Leid sein, wenn sie mit dem Haken aufgespießt oder im Netz gefangen werden. Sie zappeln, sie versuchen zu fliehen und sie kämpfen um ihr Leben. Wären wir ein Fisch ̶ genauso würden wir reagieren.

Fische sind intelligent
In Labyrinth-Versuchen finden einige Goldfisch-Arten den Ausgang dreimal schneller als Mäuse (5). Fische gehören auch zu den wenigen Tiergruppen, die Werkzeuge benutzen. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts vergleichen die kognitiven Fähigkeiten von Fischen, mit den kognitiven Fähigkeiten von manchen Primaten.

Fische sind faszinierende Tiere
Es gibt Fische, die mit Lungen atmen und andere, die auf Bäume klettern. Bei den Seepferdchen trägt der Mann die Eier mit sich herum, bis die Jungen schlüpfen. Buntbarsche nehmen ihre Jungen bei Gefahr in den Mund und männliche Clownfische können sich in Weibchen verwandeln. Muränen und Zackenbarsche gehen gemeinsam auf Jagd: dabei gehen sie äußerst solidarisch und sehr strategisch vor.

Wir müssen keine Fische essen, um zu überleben. Doch wenn wir so weiter machen, wird es in einigen Jahren keine Fische mehr geben.

 

Quellenangaben
(1) Laut dieser Studie, veröffentlicht auf Fishcount.org.uk, werden jedes Jahr zwischen 970 Milliarden und 2700 Milliarden (Mittelwert 1800 Milliarden) Fische aus Ozeanen und Seen gefangen.
(2) Laut dieser Studie wurden 2010 zwischen 37 und 120 Milliarden (Mittelwert 80 Milliarden) Fische aus der Aquakultur geschlachtet.
(3) Laut dieser Studie wurden zwischen 2005 und 2009 jedes Jahr zwischen 450 Milliarden und 1000 Milliarden Fische aus den Gewässern gezogen, um daraus Fischöl und Fischmehl, überwiegend zur Fütterung der Zuchtfische, herzustellen.
(4) Rue89 Le Mensuel N°17 Février Mars 2012. Le Saumon toxique.
(5) LSciences et Avenir, Le génie des animaux, Mars / April 2015, S.3


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