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Braten, Stopfleber, Daunen: Die gequälten Gänse

Gänse sind schlaue Vögel, die aufgrund ihrer Wachsamkeit früher auch als Ersatz für Hofhunde eingesetzt wurden. Sie gelten als mutig und unbestechlich. Eigentlich sind Gänse Weidetiere, die sich ausschließlich von Gräsern und Kräutern ernähren können.

Ihr Fleisch ist sehr beliebt: In Deutschland wird mehr Gänsefleisch gegessen, als hergestellt wird. Insbesondere zu Weihnachten ist der Gänsebraten bei vielen Familien Tradition. Knapp 85 Prozent des in Deutschland angebotenen konventionellen Gänsefleischs stammt von Tieren, die in Polen und Ungarn gehalten wurden. Damit die Vögel möglichst schnell ihr Schlachtgewicht erreichen, werden Qualzuchten eingesetzt. Die Gänse gewinnen so schnell an Gewicht, dass ihre Knochen deformiert werden und sie am Ende der Mast nicht mehr stehen können. Eingepfercht auf zu engem Raum, mit entzündeten Augen und ihren eigenen Fäkalien sitzend, sind die hochgezüchteten Gänse teilweise schon nach 9 Wochen schlachtreif.

Als Nebenprodukt der Schlachtung fallen Daunen an. Daunen sind weiche Unterfedern von Enten und Gänsen, die aufgrund ihrer Beschaffenheit besonders warm halten. Daher werden sie als Futter für Jacken, Decken oder auch Schlafsäcken genutzt. Daunen werden auf verschiedene Arten gewonnen: Ein Teil fällt als Nebenerzeugnis der Schlachtung an – doch die hohe Nachfrage nach Daunen kann damit nicht gedeckt werden.

In China und – trotz EU-weitem Verbot – teilweise auch in Osteuropa werden Gänse lebendig gerupft. Den Tieren werden die Federn bei vollem Bewusstsein und ohne Schmerzausschaltung ausgerissen. Dies kann maschinell aber auch manuell erfolgen. Beide Arten verursachen den Tieren Todesangst und starke Schmerzen wobei die maschinelle Entfernung der Daunen als noch schmerzhafter gilt. In Europa ist diese Form der Daunengewinnung verboten aber Enthüllungen haben in den letzten Jahren gezeigt, dass der Lebendrupf in Osteuropa illegal praktiziert wird. Da die Federn nachwachsen, kann der Lebendrupf mehrfach wiederholt werden, bevor die Gans geschlachtet wird.

Doch auch in Deutschland ist eine Form der Daunengewinnung am lebenden Tier erlaubt: das Raufen. Wenn die Vögel in der Mauser sind, werden die Federkiele nicht mehr durchblutet, da sich das Federkleid erneuert. Daher ist es erlaubt, die Federn der lebenden Gänse zu entfernen, wenn sie kurz vor der Mauser sind. In der industriellen Haltung werden die Vögel aber in so großer Zahl gehalten, das nicht sicherzustellen ist, dass wirklich alle Tiere kurz vor der Mauser sind. So werden auch Federn von Tieren entnommen, bei denen die Federkiele noch durchblutet sind. Beim Rupfen wie beim Raufen werden die Gänse festgehalten und über Kopf gedreht. Dies versetzt sie in Todesangst. Bei lebenden Tieren sollte eine Entfernung der Federn generell verboten sein.

Oft lässt sich beim Kauf von Daunenprodukten nicht zweifelsfrei feststellen, ob die Tiere lebend gerupft wurden. Überdies sind Daunen im Handel, die von Betrieben stammen, bei denen Stopfleber (Foie gras) hergestellt wird. Hierbei werden Gänse und Enten zwangsgemästet, indem ihnen mehrmals täglich über einen Trichter fettreiche Nahrung zugeführt wird, um eine sogenannte Delikatesse – die Fettleber – herzustellen. Diese Vorgehensweise ist höchst tierquälerisch und in Deutschland verboten. Eine Einfuhr von Stopfleber ist jedoch erlaubt, weshalb sie in Deutschland nach wie vor verkauft wird. Insbesondere Daunen, die von Enten aus Totrupf stammen, sind häufig ein Nebenprodukt der Foie gras Herstellung. Generell lässt sich im Ladengeschäft jedoch häufig die Herkunft der Daunen nicht mehr rückverfolgen.

Tierfreundliche Alternativen sind Materialien wie Baumwolle, Hanf, Viskose oder auch Dinkel und Kapok. Schaumstoff oder auch Formpolymer sind gute Bezüge für Matratzen.

Erst wenn Verbraucher ihre Kaufentscheidung von der Art der Daunengewinnung abhängig und dies dem Einzelhandel rückmelden, wird sich in der Praxis der Daunengewinnung etwas ändern.

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