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Die Leistung und das Leiden der Milchkühe

Milan Kundera schreibt in „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins":
„...dass die Menschheit genauso von der Kuh schmarotzt wie der Bandwurm vom Menschen: Sie hat sich wie ein Blutegel an ihrem Euter festgesaugt. Der Mensch ist der Parasit der Kuh, so etwa würde der Nicht-Mensch in seiner Tierkunde den Menschen definieren."


Kühe zu Maschinen

Die Philosophin Melanie Joy kam durch die Recherchen für ihr Buch „Warum wir Hunde lieben, Schweine essen und Kühe anziehen" zu folgendem Schluss:
„Die Milchindustrie ist vielleicht die brutalste Tierindustrie überhaupt. ... es gibt dort wahrscheinlich sogar mehr Leiden als in der Fleischindustrie." Die meisten wollen das nicht wahrhaben. Noch mehr als bei Fleisch und Eiern wirken bei Milch Unwissen, Verdrängung und Lügen der mächtigen Milchindustrie.

Viele Leute wissen nicht einmal, wie die Kühe dazu gezwungen werden, ständig Milch zu geben. Was ist das für ein Biologieunterricht? Kuhmilch fließt natürlich wie Menschen- oder Hundemilch nur, nachdem ein Kind geboren wurde. Dieses wird der Kuh direkt nach der Geburt weggenommen, um die Milch komplett vermarkten zu können. Manche Kälber werden Milchkuh-Nachwuchs, der Rest, vor allem alle männlichen, werden mit 5 Monaten – Kalbfleisch. Auch die nicht mehr rentablen Milchkühe landen natürlich auf unseren Tellern. Die Milchproduktion bringt also einen Teil der Fleischproduktion überhaupt erst hervor. Ein großer Teil des „Rinderhacks" und alles Kalbfleisch sind Nebenprodukte der Milchindustrie. Von wegen: „kein Blut"!

Kara Fotolia  Foto: © Kara - Fotolia.com

Mutterliebe (seltener auch Vaterliebe) ist von der Natur als eines der stärksten und fürs Überleben wichtigsten Gefühle unzähligen Tierarten einschließlich des Menschen eingepflanzt worden. Wie intensiv dieses Gefühl und wie vernichtend seine Verletzung für Mutter und Kind sind, nahmen Menschen auch schon sehr früh bei den Tieren wahr, die sie versklavt hatten. Die erste Darstellung einer Kuh, der aus Trauer um ihr Kalb eine Träne aus dem Auge rollt, entstand vor gut 4000 Jahren in Ägypten.

Bauern, die sich heute aus der Hölle der Milchproduktion zurückgezogen haben, berichten mit Entsetzen davon, wie von ihren Kindern getrennte Kühe tage- und nächtelang ihren Schmerz in die Welt hinausschrien. Aber haben die Gefühle von Kühen denn die gleiche Qualität wie die von menschlichen Müttern? Die Autistin Temple Grandin, Wissenschaftlerin und Rinderexpertin, schreibt dazu in ihrem Buch Ich sehe die Welt wie ein frohes Tier: „DassTiere und Menschen ähnlich empfinden, wissen wir aufgrund unserer Kenntnisse, wie Gefühle im Gehirn entstehen. Die Voraussetzungen dafür sind nämlich bei Mensch und Tier identisch." Wenn es darum gehe, „seinen Nachwuchs zu verteidigen, empfinden Tiere genauso wie wir." Dies zeigt auch die Geschichte vom 'Kurzen halben Glück'.

soylentnetwork Kaelber 
Foto: © Soylent Network

Vielleicht ist dieser tage- und wochenlang anhaltende Schmerz noch schlimmer als alles, was Kühen und Kälbern später im Schlachthaus geschieht. Seit der grauen Vorzeit ist es für Kälber und Kühe immer schlimmer geworden, vor allem in den letzten Jahrzehnten. Ihr Leiden ist kaum zu fassen. Man hat ihnen alles genommen, was sie als Kühe, als fühlende, intelligente Geschöpfe brauchen: Mutterliebe, Kinderliebe, enge familiäre Beziehungen, eine Großfamilie (Herde), Bewegung auf sauberen, duftenden Wiesen, Grünfutter, einen weichen Platz zum Liegen, Hörnerschmuck, natürlichen Wechsel von Schwangerschaft und Aufzucht ihrer Kinder usw. – also eigentlich ihr ganzes Leben, lange bevor sie im blutigen Grauen der Schlachthöfe umgebracht werden.


So rechnet sich die Kuh

Output:
soviel Milch gab eine Kuh pro Jahr:
1800:                         1.000 kg
1900:                         2.000 kg
1960:                         4.000 kg
Heute: 10.000 bis zu 14.000 kg     

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Steigende„Maschinen"-Le
istung:
Eine „Hochleistungs"-Kuh „verstoffwechselt" pro Tag z.B.:
4,0 kg Glukose - 1,8 kg Eiweiß - 2,0 kg Fett
Für ca. 40-50 l Milch pro Tag müssen 20.000–25.000 l Blut durch ihr Euter fließen.

Input:
Auf einer Weide müssten diese Kühe verhungern.
Aber selbst das ungesunde Kraftfutter mit viel Eiweiß, Fett, zugesetzten Vitaminen, Kalzium usw. kann die Kuh nicht ausreichend ernähren. Sie lebt ihr kurzes Leben lang von der eigenen Substanz: Kalzium wird aus den Knochen gezogen, Eiweiß aus den Muskeln – abgesehen von ihrem riesigen Euter magern sie zu Gerippen ab.


Verschleiß:

Das ausgeklügelte Verdauungssystem für Gras verträgt kein Kraftfutter. Krankheiten entstehen:

  • Osteoporose
  • Milchfieber (der Stoffwechsel entgleist, führt häufig schnell zum Tod)
  • schmerzhafte Verdauungs- und Klauenprobleme
  • Sterilität
  • Mastitis (Euter- = Brustentzündung, sehr schmerzhaft, bekommen 40% der Milchkühe)

Nutzungsdauer:
„Nutzungsdauer": tendiert zu 26 Monaten = 2 Laktationen (Geburt-/Milchproduktionsperioden)
Schlachtung mit 4 Jahren (Normalalter: 20 – 30 Jahre)
Deutsche Milchbetriebe schicken pro Jahr zur Schlachtung:

  • bis zu 40% aller Kühe wegen Krankheit
  • „nur" 33% wegen Rückgang der „Leistung"


Besondere Effizienzssteigerung:
Wenige Wochen nach jeder Geburt (und Trennung):

  • Spitzenleistung bei der Milchabsonderung.
  • Durch Hormongaben wird Empfänglichkeit erzeugt,
  • dann künstlich besamt und die nächste Schwangerschaft eingeleitet.

Vor der Abnahme der Milchleistung soll die Kuh wieder „kalben" und sofort wieder viel Milch geben.
Kühe sind also bis zu ihrer Aussortierung praktisch ununterbrochen schwanger und geben gleichzeitig Milch (widernatürlich und wahnsinnig kräftezehrend).
Die Milchindustrie zieht ihren Profit buchstäblich aus der Substanz der Kuh.



Haltung

SoylentNetwork 2  Foto: © Soylent Network

Alte Tradition: Hierzulande werden vor allem im Süden noch ca. 1,3 Mio. Milchkühe in Anbindehaltung gehalten, vor allem in kleineren Betrieben. Ihr Milchkuh-Leben lang stehen oder liegen sie an derselben Stelle. Animals' Angels hat 2014 in mehreren Bundesländern die Haltung der Kühe untersucht. Danach ist die Anbindehaltung eine der "gängigsten Haltungsformen für Milchkühe". Die Ergebnisse wurden in der Dokumentation 'Die Würde der Kühe. Kleinbauernidylle - Mythos und Wirklichkeit.' von Animals' Angels veröffentlicht.

Weide  Foto: Wolfram Schlenker

Modern: Laufstall mit Liegeplätzen und Freigang auf Weide



Hauptsache Milch - Das kurze Leben von Turbokühen. Eine sehenswerte Reportage in 'Tiere suchen ein zuhause' des WDR >>



Was Kühen sonst noch angetan wird

  • Quälerische Haltung von Kälbern, deren Fleisch durch aufgezwungenen Bewegungs- und Eisenmangel zart und blassrosa gemacht wird.
  • Ca. 200.000 Rinder werden jährlich kaum betäubt geschlachtet  – für die Betäubung gibt es nur 12 Sek.
  • Ca. 180.000 Kühe werden jährlich schwanger geschlachtet – das ungeborene Kalb erstickt jämmerlich.
    siehe auch Petition gegen die Schlachtung schwangerer Kühe
© Tierrechte Baden-Württemberg