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Tierversuche

Tierversuche ‒ Leid ohne Mitleid

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Im Jahr 2002 wurde der Schutz der Tiere als Verfassungsziel ins Grundgesetz aufgenommen. Trotzdem leiden und sterben in Deutschland noch immer Millionen Tiere in Tierversuchen. Nachdem im Jahr 1997 die Zahl der "verbrauchten" Tiere mit rund 1,5 Millionen auf einen Tiefstand gesunken war, verzeichnet die offizielle Tierversuchsstatistik des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BEML) in den folgenden Jahren bis heute einen kontinuierlichen Anstieg auf knapp drei Millionen.* Im Wesentlichen liegt das an der Zunahme von Tierversuchen im Bereich der Gentechnik, der nicht zweckgebundenen Grundlagenforschung und der Tiertötungen zum Zweck der Organentnahme.

Diese Zahlen sind jedoch nicht vollständig. So fehlen beispielsweise die sogenannten "waste animals", die als "Abfallprodukte" bei der Herstellung genetisch veränderter Linien getötet werden, weil sie nicht die gewünschten Eigenschaften haben. Ebenso fehlen Tiere, die schon vor dem Versuch, bei Haltung, Zucht und Transport sterben oder getötet werden und unzählige wirbellose "Versuchstiere" wie Insekten, Würmer und Spinnen. Es ist davon auszugehen, dass die Zahl dieser Tiere mindestens ebenso hoch ist, wie die Zahl der im Versuch verwendeten.

Ein wichtiges Ziel unseres Landesverbandes ist die Abschaffung der tierexperimentellen Forschung. Tierversuche sind unserer Meinung nach weder aus ethischen noch aus medizinischen oder methodischen Gründen zu rechtfertigen. Wir begnügen uns jedoch nicht damit, Tierversuche in das Licht der Öffentlichkeit zu rücken und anzuprangern, sondern bieten auch Lösungsmöglichkeiten. So erreichten wir in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern und Politikern, dass das Land Baden-Württemberg von 1989 bis 2001 den Universitäten des Landes jährlich ca. DM 500.000 für die Erforschung von Alternativmethoden zu Tierversuchen zur Verfügung stellte. Von 2006 bis 2009 wurde erneut ein Etat von jährlich 300.000 Euro bewilligt. Seit 2012 stellt die grün-rote Landesregierung erfreulicherweise 400.000 Euro pro Jahr für die Erforschung von Tierversuchs-Alternativen zur Verfügung.

Doch bis das System Tierversuch durch tierversuchsfreie Forschungs- und Testverfahren abgelöst sein wird, muss noch viel getan werden. Wir verlangen insbesondere von Politik und Wissenschaft in Baden-Württemberg eine stärkere Förderung und Entwicklung von effizienten Alternativmethoden.

*EU-weit waren 2011 es über 11 Millionen Tiere, die in Versuchen zu Tode "geforscht" werden. Frankreich, Deutschland und Großbritannien stehen in Europa mit 55 Prozent aller verbrauchten Tiere an der Spitze, wovon Deutschland 18 % zu verantworten hat. In Deutschland ist derzeit Nordrhein-Westfalen Spitzenreiter im Tierverbrauch, gefolgt von Baden-Württemberg und Berlin. (Quelle: Ärzte gegen Tierversuche e.V. - Statistiken)


Warum Tierversuche?

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Tierversuche sind für die Marktzulassung zahlreicher Produkte der chemischen und pharmazeutischen Industrie noch immer gesetzlich vorgeschrieben. Sowohl der deutsche Gesetzgeber als auch die Europäische Union verlangen zwingend die Durchführung von Tierversuchen, angefangen beim deutschen Chemikaliengesetz über das Wasch- und Reinigungsmittelgesetz bis hin zur europäischen Chemikalienverordnung REACH -->. Zweck der Versuche ist es u.a., den KonsumentInnen Vertrauen und Sicherheit in neue Medikamente und chemische Stoffe zu vermitteln. Trotzdem kommt es immer wieder zu schweren - mitunter auch tödlichen - Nebenwirkungen. Ein Teil der Experimente dient deshalb ausschließlich der Risikoabsicherung für die pharmazeutische und chemische Industrie. So entfällt die Produkthaftung beim Auftreten unerwünschter Zwischenfälle, wenn entsprechende tierexperimentelle Studien nachgewiesen werden können.

Zahllose Experimente an Tieren werden lediglich aus wissenschaftlicher Neugier in der Grundlagenforschung durchgeführt. Unzählige akademische Karrieren, Veröffentlichungen, Preise und Auszeichnungen wurden und werden mit dem Leiden und Sterben von Tieren erkauft. Ein weiterer Anreiz für immer neue Tierversuche ist die breite Förderung von tierexperimentellen Forschungsprojekten durch Bund und Länder sowie durch verschiedenen Organisationen (wie z.B. die Deutsche Forschungsgemeinschaft oder die VolkswagenStiftung). Eingefahrene Gewohnheiten und Bequemlichkeit in Wissenschaft und Forschung verhindern oftmals, dass alte Denkmuster und Überzeugungen hinterfragt und neue tierfreundliche Wege beschritten werden.

Nicht zuletzt spielen wirtschaftliche Motive eine bedeutende Rolle, am System Tierversuch festzuhalten. Eine ganze Industrie profitiert vom Leid der "Labortiere": Züchter, Händler, Hersteller von Haltungseinrichtungen, Auftragslabore wie das Deutsche Primatenzentrum in Göttingen usw.


Bereiche der tierexperimentellen Forschung

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Laut offizieller Tierversuchsstatistik des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BEML) wurden im Jahr 2013 für Giftigkeitsprüfungen 5 % und für gesetzlich vorgeschriebene Versuche 11 % der Versuchtiere verwendet. In beiden Bereichen ist seit Jahren ein Abwärtstrend zu verzeichnen. Dies ist der wachsenden Anzahl der zur Verfügung stehenden tierversuchsfreien Methoden zu verdanken. Für die Erforschung und Entwicklung von Arzneimitteln wurden 2013 fast 15 % der "Versuchstiere" getötet. Etwa 40% aller "Versuchstiere" werden in der Grundlagenforschung eingesetzt. In diesem Bereich steigt die Zahl der Tiere seit Jahren kontinuierlich an. Diese Entwicklung ist vor allem auf den erhöhten Tierverbrauch in der Gentechnik zurückzuführen.

Hochburgen der tierxperimentellen Forschung sind in Deutschland vor allem folgende Städte: München, Berlin, Göttingen, Hannover, Heidelberg, Tübingen, Düsseldorf, Würzburg, Erlangen, Hamburg, Münster, Bochum, Frankfurt/M.

Tierversuche in der pharmazeutischen und chemischen Industrie
Alle Stoffe, denen Menschen in irgendeiner Weise ausgesetzt sind, werden auf mögliche schädigende Wirkungen an Tieren getestet. Dabei handelt es sich nicht nur um neue Arzneimittel, sondern auch um Wasch- und Putzmittel, Düngemittel, Schädlingsbekämpfungsmittel, Klebstoffe, Schmiermittel, Lebensmittel, Krankheitserreger usw. Geprüft wird vor allem, ob und wie giftig eine Substanz für den Organismus ist (Toxizität), ob sie Fehlbildungen beim Embryo hervorruft (Teratogenität), Erbgutveränderungen verursacht (Mutagenität) und Krebs erzeugt (Kanzerogenität).

Grundlagenforschung
In der Grundlagenforschung geht es in erster Linie darum, ungeklärte Fragestellungen in der Medizin, der Biologie und anderen wissenschaftlichen Disziplinen systematisch zu untersuchen. Sie dient daher primär der zweckfreien Erweiterung des Wissens, teilweise aber auch der Erforschung menschlicher Krankheiten. Um menschliche Krankheitssymptome zu simulieren, werden Tiere künstlich krank gemacht: Man unterbricht beispielsweise die Blutzufuhr zum Gehirn, um einen Schlaganfall zu erzeugen, oder pflanzt Tieren Tumore ein. Da manche Forschungsergebnisse zur Entdeckung von Verfahren führen, die als Patente nutzbar sind, stehen hinter der Grundlagenforschung durchaus auch ökonische Motive.

Medizinprodukte
Medizinprodukte sind Geräte und Stoffe, die zwar zu therapeutischen oder diagnostischen Zwecken in der Human- und Veterinärmdizin verwendet werden, im Gegensatz zu Arzneimitteln aber vorwiegend physikalisch oder physikochemisch wirken. Darunter fallen beispielsweise Dentalmaterialien wie Zahnfüllungen, Kontrastmittel, Einmalspritzen, Kontaktlinsen, Bestrahlungsgeräte, Kondome, Defibrillatoren, Herzkatheder, Implantate wie künstliche Hüft-, Knie- und Schultergelenke, chirurgisches Nahtmaterial, Herzschrittmacher usw. Für ihre Erforschung, Entwicklung und Herstellung dienen zahlreiche Tierarten als "Versuchsmodelle". Viele Medizinprodukte dürfen außerdem nur in Verkehr gebracht, wenn der Hersteller ihre biologische Verträglichkeit nachweist. Dazu sind gemäß der "Medizinprodukte-Verordnung" auch Sicherheitsprüfungen an Tieren durchzuführen.

Gentechnik
Durch Genmanipulationen sollen bei Tieren erwünschte Eigenschaften bzw. Defekte erzielt werden. Dafür werden gezielt Gene "abgeschaltet" ("Knock-out-Gene") sowie arteigene oder artfremde Gene in den Organismus übertragen. Vor allem transgene Mäuse und Ratten werden für die Erforschung der verschiedensten Krankheiten und Therapieverfahren eingesetzt. So gibt es sogenannte "Krebsmäuse", "HIV-Mäuse", "Rheuma-Ratten" usw. Genmanipulierte Schweine sollen zukünftig als "Organspender" für Menschen gezüchtet werden.

"Nutztiere" werden überwiegend aus wirtschaftlichen Gründen gentechnisch verändert. Schweine oder Hühner sollen noch schneller wachsen. Die Milchleistung von Kühen soll noch mehr gesteigert werden. Die Erfolgsrate bei der genetischem Manipulation von Tieren liegt bei den verschiedenen Tierarten meist im einstelligen Prozentbereich. Zahlreiche genmanipulierte Tiere sterben bereits im Mutterleib oder werden missgebildet geboren und landen in der Abfalltonne.

Studium und Ausbildung
Tierversuche haben beim Studium der Biologie, Human-, Veterinär- und Zahnmedizin eine lange Tradition. An den meisten deutschen Hochschulen müssen Studierende an Tierversuchen teilnehmen oder zuvor getötete Tiere sezieren. Noch bis vor wenigen Jahrzehnten wurde beispielsweise im Schulunterreicht der sogenannte Galvani-Froschversuch durchgeführt. Auch an vielen deutschen Universitäten ist dieses Experiment im Rahmen des Physiologie-Kurses noch immer verpflichtend vorgeschrieben. Ein Frosch (i.d.R. ein afrikanischer Krallenfrosch) wird mit einer kleinen Guillotine oder einer Schere geköpft. Wadenmuskel und Ischiasnerv werden herauspräpariert. Wird der Nerv elektrisch gereizt, zuckt der Muskel ‒ je größer die Reizstärke, desto mehr. Außerdem wird die Nervenleitgeschwindigkeit gemessen. Derartige Versuche sind didaktisch überflüssig und dienen lediglich der Veranschaulichung des theoretischen Lehrstoffs.

Tierversuche für militärische Zwecke
Wissenschaftler und Militärs testen in allen Teilen der Welt konventionelle, chemische und biologische Waffen an Tieren. Zwar sind Tierversuche zur Erprobung von Waffen, Munition und militärischem Gerät laut § 7 des deutschen Tierschutzgesetzes verboten. Wehrmedizinische Versuche, bei denen die Wirkung von Waffen, Munition und Kampfstoffen erprobt werden, um Schutz- und Heilmaßnahmen für Soldaten zu entwickeln, sind jedoch in Deutschland und allen anderen Natostaaten weiterhin erlaubt. Legal sind außerdem alle Tests, die der Verteidigung und dem Katatastrophenschutz dienen. Zwischen 2005 und 2009 wurden beispielsweise neben anderen Tierarten 18 Makaken u.a. mit Pockenviren infiziert und getötet. Die Makaken-Experimente wurden im Deutschen Primatenzentrum in Göttingen durchgeführt.

Kosmetik
Seit 2013 ist es EU-weit verboten, Kosmetika und deren Inhaltsstoffe zu vermarkten, die in Tierversuchen getestet wurden. Dieses Verbot garantiert jedoch noch keine komplett tierversuchsfreie Kosmetik, denn es gilt nur für Substanzen, die ausschließlich in kosmetischen Produkten verwendet werden. Kosmetik-Rohstoffe wie z.B. Duft- und Farbstoffe oder Tenside kommen jedoch auch in Waschmitteln oder Haushaltsreinigern vor. Sie fallen damit unter das Chemikalienrecht (s. REACH --|>), das in vielen Fällen noch immer ausdrücklich Tierversuche vorschreibt.

Weitere Bereiche
Auch zur Herstellung von Impfstoffen und Seren werden Tieren verwendet. Außerdem werden sie mit Krankheitserregern infiziert und als lebende Reservoirs für Viren, Bakterien und Parasiten missbraucht. In bestimmten Zeitabständen werden die Wirtstiere getötet und neue infiziert. Ferner werden Tiere für die Diagnose von bestimmten Krankheitserregern, wie beispielsweise der Tollwut, eingesetzt.

Quellen:
Ärzte gegen Tierversuche e.V.
Menschen für Tierrechte - Bundesverband der Tierversuchsgegner e.V.
http://de.wikipedia.org/wiki/Medizinprodukt
Datenbank Tierversuche
http://www.satis-tierrechte.de/uni-ranking/


Beispiele für Tierversuche

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Toxikologie

Neue Medikamente oder Chemikalien, die die Gesundheit der Menschen beeinflussen könnten, müssen sowohl nach deutschem als auch nach europäischem Recht (s. auch REACH-->) an Tieren ausprobiert werden. Sie sollen Aufschluss darüber geben, wie giftig oder ätzend eine Prüfsubstanz ist, wie sie sich verstoffwechselt und auf innere Organe wie Herz, Leber, Lunge und Haut auswirkt. Die Wirkstoffe werden den Tieren über eine Schlundsonde in den Magen eingeflößt, auf die nackte rasierte Haut aufgebracht, in die Augenschleimhäute geträufelt und unter die Haut gespritzt. Gasförmige Stoffe müssen die Tiere inhalieren. Beispiele für Toxizitätsprüfungen:

LD50-Test: Bei der Prüfung auf akute Giftigkeit nach der LD-50-Methode (L = letal, D = Dosis, 50 = die Hälfte) wird getestet, welche Dosis einer Substanz oder Strahlung bei der Hälfte der Tiere zum Tode führt. Pro Substanz starben in den 70er Jahren des letzten Jahrhundert noch rund 150 Tiere einen qualvollen Tod. Je nach Menge des verabreichten Giftes ringen sie bei vollem Bewusstsein stundenlang oder gar tagelang mit dem Tod. Sie winden sich in Krämpfen, leiden unter Durchfall, Fieber, Schüttelfrost, Lähmungen und empfinden andauernde Übelkeit, ehe sie sterben oder vorläufig überleben. Seit den 90er Jahren werden neue Verfahren (FDP-Methode = "Fixed-Dose-Procedure" und ATC-Methode = Acute Toxic Class Method) angewandt, die den Tierverbrauch bis heute auf rund 5 Tiere pro Test reduzierten. Der LD50-Test wird trotz seiner Grausamkeit noch von vielen Rechtsvorschriften verlangt, u.a. von den Richtlinien der OECD, welcher praktisch alle Industrienationen angehören.

Draize-Augenreizungstest: Dabei wird lebenden und unbetäubten Kaninchen die Testsubstanz in die Augen gespritzt oder geträufelt. Die Augenlider des Tieres werden dabei mit Metall- oder Kunststoffklammern auseinandergespreizt, damit sie nicht blinzeln oder die Testsubstanz herauskratzen können. Heute werden jedoch in den meisten Ländern ätzende Stoffe nicht mehr "in vivo" (am lebenden Tier) getestet. Mitte der 1980er Jahre wurde der sogenannte HET-CAM, der Hühner-Ei-Test an der Chorion-Allantois-Membran (Aderhaut des Eies) zur Überprüfung der Hautverträglichkeit von Chemikalien entwickelt, der den Draize-Test weitgehend ersetzte. Direkt am Tierauge dürfen nur noch Substanzen getestet werden, die sich zuvor im Hühnerei-Test als wenig ätzend bzw. reizend erwiesen haben.

Test auf Fruchtschädigung (Teratogenität): Schwangeren Affen-, Ratten und Mäuseweibchen wird die Testsubstanz in den Bauchraum injiziert oder mit einer Spritze ohne Nadel in den Mund gespritzt. Einige Stunden später werden die Tiere durch eine Giftinjektion getötet. Die Gebärmutter wird herausgeschnitten und Embryonen und die Konzentration der fraglichen Substanz untersucht.


Grundlagenforschung

In der tierexperimentellen Grundlagenforschung geht es zunächst lediglich darum, neue Erkenntnisse zu gewinnen. So vielfältig wie die wissenschaftlichen Fragen, so unterschiedlich sind auch die Versuche. Einige Beispiele aus deutschen Forschungslabors

Mausmodell für septische Bauchfellentzündung mit mehreren Erregern mittels Abbinden und Anstechen des Blinddarms: Einer unbekannten Anzahl von Mäusen wurde in Braunschweig unter Narkose mit einer Nadel kleine Löcher in den unvollständig abgebundenen Blinddarm gestochen, durch die (nach Verschluss der Bauchdecke) kontinuierlich Darminhalt samt Bakterien in die Bauchhöhle austrat. Dies verursachte eine äußerst schmerzhafte Bauchfellentzündung im gesamten Bauchraum und eine anschließende Blutvergiftung, die innerhalb von Stunden bis Tagen zum Multiorganversagen und Tod der Tiere führte. Mäuse, die nicht durch die Entzündung starben, wurden durch Ersticken mit CO2 getötet. Das vorgestellte "Modell" hat nach Angabe der EperimentatorInnen den Vorteil, dass die "gewünschte Todesrate" durch die Größe und Anzahl der gestochenen Löcher im Blinddarm variiert werden kann. (Jahr 2010)

Anatomie des Rückenmarks von Tauben: In Bochum wurden 10 erwachsene Tauben und ein Küken narkotisiert. Durch eine Injektion in das Herz wurde Formalin in die Blutbahn gespritzt. Der Herzschlag beförderte das Fixierungsmittel in alle Gewebe. Dadurch starben die Tiere. Ihr Rückenmark wurde herausgeschnitten und untersucht. Die Arbeit wurde durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft unterstützt. (Jahr 2004)

Anatomie der Hörrinde einer Fledermausart: An der Uni München wurde bei 14 Fledermäusen (Hufeisennasen) unter Narkose durch ein Bohrloch im Schädel Elektroden in die Hörrinde des Gehirns gesteckt und die Hirnströme gemessen, während die Tiere mit Tönen beschallt wurden. Anschließend wurde eine Markierungssubstanz injiziert. 24 Stunden nach dem Erwachen aus der Narkose wurden die Tiere getötet, um die markierten Nervenbahnen im Gehirn zu untersuchen. Die Arbeit wurde durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft unterstützt. (Jahr 2004)

Entzündungsreaktionen bei verletzten Ratten: WissenschaftlerInnen der Uni Ulm verletzten Ratten auf unterschiedliche Weise: Es wurden Knochen gebrochen, Prellungen an Brustkorb und Beinen sowie Schädeltraumata erzeugt. Zwei bis vier Stunden später wurden Blutproben genommen, um die Entzündungsreaktion zu untersuchen. Das Ergebnis: Je mehr Verletzungen, desto mehr Ausschüttung von Entzündungsbotenstoffen. 352 Ratten mussten für diese Erkenntnis leiden und sterben. Die Arbeit wurde durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft unterstützt. (Jahr: 2012)

Chirurgie

Schienbeinverlängerung bei jungen Beageln: In Hamburg und Göttingen wurde 24 jungen Beagles unter Narkose der Schienbeinknochen durchtrennt. Fünf Tage nach der Operation wurde mit einer in den Knochen verschraubten Metallvorrichtung das Bein zweimal täglich um jeweils 0,5 mm auseinandergezogen. Nach 25 Tagen, als das Bein 2,5 cm länger als vorher war, wurden 12 Hunde durch Injektion eines Barbiturates getötet. Die anderen 12 Hunde werden nach weiteren 25 Tagen, ohne weitere Manipulationen am Bein getötet. Die Schienbeine werden herausgeschnitten und untersucht. Der Versuch wurde durchgeführt, obwohl diese Methode der Knochenverlängerung bereits seit Anfang der 80er Jahre beim Menschen üblich ist. Diese überflüssige Arbeit wurde durch den "Verein zur Förderung der Orthopädischen Wissenschaften" in Düsseldorf finanziell unterstützt. (Jahr 2003)


Angst-/Depressionsforschung

Erlernte Hilflosigkeit/Depression bei Ratten: In einer Studie von WissenschaftlerInnen in Heidelberg und Mannheim sollte die "Anhedonie" (= Unfähigkeit, Freude zu empfinden) bei Ratten nachgeahmt werden. Für das Experiment wurden 63 „depressiv" und „nicht-depressiv" gezüchtete Ratten verwendet. Über mehrere Wochen werden die Ratten wiederholt mit Elektroschocks und lauten Geräuschen traktiert. Nach jeder "Behandlung" wurde ihnen gesüßte Kondensmilch angeboten. Die nutzlose Erkenntnis: Die Ratten der depressiven Linie tranken weniger, weil sie durch den Stress keine Freude mehr empfinden konnten. Sie erschraken auch weniger durch die lauten Geräusche. (Jahr: 2010)

Xenotransplantation

Transplantation von Schweineherzen in Affen: In München wurde 6 gentechnisch manipulierten jungen Schweinen unter Narkose Herz und Lunge entnommen. Die Schweineherzen wurden 6 Pavianen in den Brustkorb eingepflanzt. Die Affen erhielten Immunsuppressiva, also Medikamente, die die Abstoßungsreaktion unterdrücken sollen. Nach einer Stunde wurde die Narkose (wahrscheinlich) beendet, d.h. die Tiere mussten die Abstoßungsreaktion bei vollem Bewusstsein erleben. Alle Affen sterben innerhalb von 5 Stunden bis 4 Tagen teils an aktuten Abstoßungreaktionen, teils an Herzversagen. Ein Affe, der ein Nierenversagen und Lungenödem entwickelte, wurde getötet. (Jahr: 2011)


Hirnforschung

Ein spezielles, ethisch höchst umstrittenes Kapitel der Grundlagenforschung sind invasive Versuche am Gehirn von Tieren, insbesondere am Primatengehirn. Die Experimente werden damit gerechtfertigt, am "Tiermodell" Aufbau und Arbeitsweise des Gehirns zu erforschen und aus den gewonnen Erkenntnissen ein besseres Verständnis für die Entstehung menschlicher Gehirnkrankheiten wie Alzheimer oder Parkinson zu gewinnen und darauf aufbauend Behandlungsmethoden zu entwickeln. Mehr dazu (siehe Kap. Hirnforschung an Primaten)


Weitere Versuche aus allen Bereichen der tierexperimentellen Forschung sind zu finden in der Datenbank Tierversuche der Ärzte gegen Tierversuche e.V.: http://www.datenbank-tierversuche.de/

AnimalTestInfo - Öffentliche Datenbank zu Tierversuchen: Seit 2013 müssen die Antragsteller von Tierversuchsprojekten eine sogenannte Nichttechnische Projektzusammenfassung beigefügen, die Zweck des Versuchs, Art und Anzahl der Tiere, sowie den Nutzen und Schaden für diese beschreiben muss. Nach Genehmigung des Tierversuchs werden die Daten an das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) gemeldet, welches diese innerhalb von zwölf Monaten in der Datenbank „AnimalTestInfo“ veröffentlicht. Allerdings gilt das nur für genehmigungspflichtige Tierversuche und nicht für solche, die der Behörde nur angezeigt werden. http://www.animaltestinfo.de/


Quellen:
Ärzte gegen Tierversuche e.V.
Menschen für Tierrechte - Bundesverband der Tierversuchsgegner e.V.
Datenbank Tierversuche
AnimalResearch.Info: http://www.animalresearch.info
Applikation von Medikamenten. Praktische Medikamentenapplikation bei Kaninchen und Nagern: http://www.ltk.uzh.ch/upload/docs/applikation_von_medikamenten_20011203135952.pdf

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