Mehrtägige Tiertransporte auch in Zukunft erlaubt Drucken E-Mail

Ingeborg Livaditis, Vorsitzende 

Neue EU-Verordnung bringt nicht den erhofften Durchbruch

16. Juli 2003

Der am heutigen Mittwoch von der EU-Kommission beschlossene Vorschlag, die Vorschriften für Tiertransporte durch eine neue EU-Verordnung zu verschärfen, packt das Übel nicht an der Wurzel, so die Reaktion des Bundesverbandes Menschen für Tierrechte, denn strapaziöse Langstreckentransporte seien auch in Zukunft erlaubt.

Nach 9 Stunden Fahrt sollen die Tiere, gleich welcher Tierart, zukünftig 12 Stunden Pause machen dürfen, dann geht die Reise weiter. Dies wiederholt sich, so oft der Transporteur es will. Während der 12-stündigen Pausen sollen die Tiere auf dem LKW bleiben und dort mit Futter und Wasser versorgt werden.

"Selbst wenn den Tieren etwas mehr Platz zugebilligt wird, ist eine Versorgung der Tiere in der Enge des LKW und mit den wenigen, ihnen oft unbekannten Tränkevorrichtungen nicht gewährleistet", fürchtet Hannelore Jaresch vom Bundesverband Menschen für Tierrechte.

Auch das Verbot, ganz junge oder hochträchtige Tiere auf den Transport zu schicken, klingen nur im ersten Moment verantwortungsvoll und zukunftsweisend. "Bei genauem Hinsehen verraten die Einzelbestimmungen, dass die neuen Regelungen genauso wie die alten die Interessen der Exporteure, Viehhändler und Transporteure und nicht die Tiere schützen", klagt Hannelore Jaresch.

Nur eine absolute zeitliche Begrenzung der Tiertransporte auf höchstens 8 Stunden, besser noch weniger, wie das EU-Parlament und einzelne Agrarminister es fordern, hätte die erhoffte Abkehr der bisherigen Politik der grenzenlosen Transporte von lebenden Tieren eingeleitet, so die Einschätzung des Verbandes. Noch ist die Verordnung nicht verabschiedet. Die Tierschützer appellieren deshalb an die Agrarminister, die Chance zu nutzen und grundlegende Veränderungen einzubringen.

Aus: TIERSCHUTZ AKTUELL 2+3/03