Pressemitteilung 09.03.2010 Drucken E-Mail

Vier Jahre TGN1412-Arzneiskandal:
Lebensbedrohung statt Heilwirkung - Medikamententester als Opfer einer verfehlten Forschung

Vor vier Jahren kämpften sechs Männer um ihr Leben, nachdem sie als Probanden ein neu entwickeltes Medikament eingenommen hatten. Die zuvor sogar an Affen durchgeführten Tierversuche ließen die schweren Nebenwirkungen am Menschen nicht erahnen. Der Landesverband Menschen für Tierrechte Baden-Württemberg kritisiert die Unsicherheit des Systems Tierversuch und fordert eine durchdachte tierversuchsfreie Forschung, um unnötige Tier- und Menschenopfer zu verhindern.

Der Wirkstoff TGN1412 sollte ein vielseitig einsetzbares Medikament unter anderem gegen Multiple Sklerose, rheumatische Arthritis und andere Immunkrankheiten werden. Umfangreiche Tierversuche an Javaner- und Rhesusaffen, Kaninchen und Ratten verliefen problemlos. Die klinische Studie an sechs Testpersonen jedoch führte bei ihnen zu gravierenden Folgeschäden, unter denen sie ein Leben lang zu leiden haben. Anstatt eine Hemmung des Immunsystems zu bewirken, führte der Wirkstoff zu einer überschießenden Immunreaktion. Leber, Nieren und andere Organe versagten vollständig. Einer der Probanden verlor mehrere Zehen und Finger.

»Diese Katastrophe ist nur einer von vielen Belegen dafür, dass der Tierversuch eine falsche Sicherheit vorspielt«, weiß die Vorsitzende des Landesverbands Menschen für Tierrechte Baden-Württemberg, Ingeborg Livaditis. Sie verweist auf Hochrechnungen, nach denen allein in Deutschland jährlich rund 60.000 Menschen an unerwünschten Nebenwirkungen von Arzneimitteln sterben.

Der Tierrechtsverein warnt seit Jahren vor den gravierenden Fehleinschätzungen, die aus der Übertragung der Ergebnisse aus dem Tierversuch auf den Menschen resultieren. Tier und Mensch haben zwar gemeinsam, dass sie fühlende Lebewesen sind, in Körperbau und Stoffwechsel unterscheiden sie sich jedoch wesentlich. Allzu oft werde dies in dem auf Tierexperimenten basierenden Forschungssystem unterschätzt oder schlicht ignoriert. Dass die Reaktion auf bestimmte Substanzen zwischen Tier und Mensch, wie auch bei unterschiedlichen Tierarten ganz verschieden sein kann, zeigt sich nach Aussage des Vereins schon in ganz alltäglichen Begebenheiten. So ist Petersilie für Papageien giftig, die Menschen schätzen das für sie gut verträgliche Kraut als schmackhafte Beigabe in Salaten und Gemüsen.

Als Beweis für die Unzuverlässigkeit des Tierversuchs sieht der Landesverband auch die zahlreichen Medikamente, die wegen schwerer oder tödlicher Nebenwirkungen beim Menschen wieder vom Markt genommen werden müssen, nachdem sie aufgrund von Tierversuchen fälschlicherweise als sicher betrachtet wurden. So wurde das Herzmedikament Trasylol 2007 zurückgezogen, da es zu schwerwiegenden Nierenschäden, Herzversagen und Schlaganfällen mit Todesfolge geführt hatte. Cholesterin-Senker Lipobay und Schmerzmittel Vioxx sind weitere bekannte Beispiele von Medikamenten, die wegen unvorhergesehener schädlicher Wirkungen beim Menschen vom Markt genommen werden mussten. Vor wenigen Tagen wurde das Diabetesmedikament Avandia in Zusammenhang mit über 300 Todesfällen in nur drei Monaten gebracht.

Nach Ansicht des Landesverbands ist das Festhalten am Tierversuch Grund dafür, dass Menschen immer wieder Opfer von Pharmakatastrophen werden. Er beklagt zudem, dass

unzählige Tiere einen sinnlosen Labortod sterben müssen und fordert eine Wissenschaft, die moderne, tierversuchsfreie Verfahren anwendet, anstatt auf Kosten von Mensch und Tier mittelalterliche Tierversuche durchzuführen.