| Großveranstaltung und Demo in Frankfurt |
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Dagmar Oest, Vorstandsmitglied Zum Internationalen Tag zur Abschaffung der Tierversuche rief die Tierrechtsinitiative Rhein-Main, TIRM, am Samstag, dem 24.04.2010, zu einer Großveranstaltung mit Demonstration auf. Acht Mitglieder unserer Aktionsgruppen Schwäbisch Hall, Stuttgart und Horb machten sich schon frühmorgens auf den Weg, um daran teilzunehmen. Bei der Ankunft in Frankfurt empfing uns strahlend blauer Himmel und warmer Sonnenschein - nach den vielen Schnee- und Regen-Demos der letzten Zeit eine angenehme Abwechslung. Bei diesem schönen Wetter waren natürlich zahlreiche Passanten unterwegs, von denen sich erfreulicherweise viele am Tierschutz und insbesondere am Thema Tierversuche sehr interessiert zeigten. Die Infostände der verschiedenen Tierrechtsorganisationen waren bei unserer Ankunft bereits gut besucht, die Verpflegungsstände mit leckeren veganen Köstlichkeiten fanden regen Zuspruch. Gegen 12:30 Uhr startete dann der Demozug mit ca. 250 Tierversuchsgegnern durch die Innenstadt. Durch Plakate, Transparente und laute Parolen gegen Tierversuche war es unmöglich, diese Kundgebung für die gequälten und gepeinigten Mitgeschöpfe in den Laboren zu überhören oder zu übersehen!
Wie immer gab es interessierte Menschen, die die angebotenen Infoflyer gerne entgegen nahmen. Bei den eingelegten Stopps gab es sehr interessante Redebeiträge gegen Tierversuche. Als erster sprach Dr. Wolfgang Wegert von der Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche über Botox. Dieses Nervengift wird hauptsächlich im kosmetischen Bereich zur Faltenreduzierung eingesetzt und findet leider immer mehr Abnehmer/ Innen. Weniger bekannt dürften die dazu vorgeschriebenen grausamen Versuche an Mäusen sein. Falten sind zwar nur ein kosmetisches Problem; die Botox-Behandlung wird aber als medizinische Anwendung gesehen, weshalb Tierversuche vorgeschrieben sind. Botulinumtoxin ist das stärkste derzeit bekannte Nervengift. Schon unvorstellbar kleine Mengen können einen Menschen töten. Da diese Substanz so ungeheuer gefährlich ist, muss sie für die Anwendung am Menschen stark verdünnt werden. Jede Produktionseinheit wird, bevor sie in den Verkauf gehen kann, durch einen LD 50-Test geprüft. Dabei wird das Gift Gruppen von Mäusen in die Bauchhöhle gespritzt. Jede Gruppe erhält eine andere Verdünnung von Botox. So wird die Menge ermittelt, bei der genau die Hälfte der Mäuse stirbt. Für die Tiere bedeutet das furchtbare Qualen. Es kommt zu Muskellähmungen, Atemnot und Sehstörungen. Der Todeskampf kann sich über Tage hinziehen, bevor die Nager bei vollem Bewusstsein ersticken. Dabei gibt es längst tierversuchsfreie Methoden, die jedoch nicht eingesetzt werden. Ein Redner von der TIRM prangerte Tierversuche im Allgemeinen an und verwies auf die Nichtübertragbarkeit der an Tieren gewonnenen Ergebnisse auf den Menschen an einem Beispiel aus England. Dort wurde im Jahr 2006 an sechs freiwilligen Testpersonen ein neues Medikament, TGN1412, des Würzburger Pharmaunternehmens TeGenero erprobt. Nach Tierversuchen, darunter sogar an Affen, war es als ungefährlich eingestuft worden - und endete in einer Katastrophe, einem multiplen, fast tödlichen Organversagen. Mehrere Probanden leiden noch heute unter den erheblichen Nachwirkungen dieses „sicheren" Medikaments. Es ist zu hoffen, dass die Reden von vielen Passanten gehört wurden. Unsere Demo führte uns dann auch zum Gebäude des Pharmaunternehmens Merz, das den Faltenkiller Botox herstellt, eine „Gelddruckmaschine", wie Dr. Wegert in seiner Rede bemerkte. Nach zwei Stunden waren wir wieder am Ausgangspunkt Hauptwache angelangt, durstig und müde nach diesem langen Tag. Wir mussten dabei an die bedauernswerten Affen in der Hirnforschung denken, die durstig gehalten werden, um bei Experimenten „mitzuspielen". Da wir noch eine lange Rückreise hatten, konnten wir an dem folgenden Rahmenprogramm mit Live-Musik und Show nicht mehr teilnehmen. Aus: Tierschutz aktuell 2+3/2010 |



Fotos: Evi Gatz