Schwerpunktdossier tierversuchsfreie Forschung des Landes Baden-Württemberg Drucken E-Mail

Ingeborg Livaditis, Vorsitzende

Auf der Internetseite des Biotechno­logie und Life Sciences Portals des Landes Baden-Württemberg wird über die Höhepunkte aus der baden-württembergischen Forschung berich­tet. Im Mai dieses Jahres ist dort als Schwer­punkt ein umfangreiches Dos­sier ein­gestellt worden, das sich unter anderem mit so genannten Alterna­tiv­methoden und dem langen Weg der behördlichen Anerkennung tier­ver­suchs­freier Methoden befasst.

Unser Verein wurde hierzu um ein ausführliches Interview gebeten. Unsere Fachreferentin Silke Bitz, die zudem Stellvertretende Vorsitzende ist, gab zu tierversuchsfreien Metho­den und ihrem derzeitigen wissen­schaftlichen Stand Auskunft und informierte über Erfolge und Rück­schläge. Außer­dem konnte sie unse­re Tierrechts­arbeit und insbesondere die Argu­mente für die Notwen­digkeit der Ab­schaffung des Systems Tierver­such ausführlich darlegen.

Unter der Überschrift „Silke Bitz - Seit 20 Jahren aktiv für die Ab­schaffung von Tierversuchen" wurde sie persön­lich vorgestellt. Das dürfte auch Sie interessieren. Auszug:

„Tierversuche sind für die For­schung weder wichtig noch nütz­lich", sagte Silke Bitz. Die Freibur­ger Bio­lo­gin arbeitet für „Menschen für Tier­rechte. Tierversuchsgegner Baden-Württemberg e.V." und „Ärz­te gegen Tierversuche e.V.". In ihrer Freizeit engagiert sie sich außerdem ehren­amtlich. Sie sieht sich täglich mit dem Leid unschuldiger Lebewes­en konfron­tiert und beklagt die Träg­heit der Poli­tik, endlich den Weg zu einer tierver­suchsfreien For­schung zu ebnen, denn Studien über die Un­zuverlässig­keit des Tierversuchs gibt es ihrer An­sicht nach viele. Ihr Schwer­punkt ist die wissen­schaft­lich fundierte Argumen­tation ge­gen Tier­versuche und die pol­itische Lobbyarb­eit. Ihr Ziel ist und bleibt: die Abschaffung aller Tierver­suche....

Die Empathie für Tiere und die wissenschaftliche Argumentation ge­gen Tierversuche durchziehen Bitz' gan­zes Leben. Sie studierte Diplom­biologie an den Universitäten Frei­burg und St. Andrews (Schottland). Ihre Diplomarbeit machte sie am Al­fred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung. Nach Ab­schluss des Studiums arbeitete sie zu­nächst in der Akademie für Tier­schutz, der wissen­schaftlichen Ein­rich­tung des Deutschen Tierschutz­bundes, bis sie 2007 zu den beiden Tierrechts-Verei­nen wechselte. Bitz lebt vegan, was bedeutet, dass sie keine tierischen Produkte zu sich nimmt. „Das ist der effektivste Bei­trag nicht nur zum Tierschutz, son­dern auch zum Klima- und Umwelt­schutz, zur eigenen Ge­sunderhaltung, gegen Wasserver­schwendung und gegen den Hunger und die Armut in weiten Teilen der Erde" sagt sie.

Für die Tierrechte und insbeson­dere die Abschaffung der Tier­ver­suche engagiert sich die 1973 in Freiburg geborene Bitz bereits seit rund 20 Jah­ren. „Durch meine Arbeit bin ich dann auch zu der wissen­schaftlichen Über­zeugung gekommen, dass Tier­versuche ein schlechtes und darüber hinaus ge­fährliches System sind", sagt sie...

Das Dossier und komplette Interview mit Silke Bitz sowie weitere Informa­tionen finden Sie unter

www.bio-pro.de/magazin/thema/05144/index.html?lang=de

Das Land Baden-Württemberg zeigt sich üblicherweise dem Tierschutz leider wenig zugeneigt und leiht da­her der Lobby der Tierexperimenta­toren immer wieder seine Stimme. In­s­ofern ist es als positiv zu werten, dass in der stark durch Tierver­suche geprägten Wissenschaftslandschaft auch der Thematik der tierversuchs­freien Forschung Raum gegeben wird. Wenn immer mehr Wissenschaftler erkennen, dass eine For­schung ohne Tiere nicht gleich das Ende von Wis­senschaft und Forschung bedeu­tet, sondern dringend notwendig ist, um wirkliche Fortschritte und fun­dierte Erkenntnisse zu gewinnen, darf auch die Politik nicht untätig blei­ben. Nur in der Gemeinsamkeit von Poli­tik und Wissenschaft kann es gelin­gen, das barbarische und unsinnige Sys­tem endlich abzuschaffen.

Aus: Tierschutz aktuell 2+3/2010