Vollbluttest anstelle Kaninchentest anerkannt Drucken E-Mail

Silke Bitz, Dipl.-Biol., Fachreferentin

Da bei der Injektion von Arzneimit­teln die Verunreinigung mit Fieber auslösenden Bakterien, den so ge­nannten Pyrogenen, eine Gefahr dar­stellt, ist die Prüfung auf Pyro­gen­freiheit gesetzlich vorgeschrie­ben. Bis­lang erfolgte dieser Test an Kanin­chen, denen die Arznei ins Blut ver­abreicht wird, um mögliche Fieber­reaktionen zu erkennen. Ab­gesehen von der lange bekannten Unzuver­lässigkeit dieser Testme­thode, bedeu­tet diese für die Tiere eine immense Qual. Sie werden über Stunden in Apparaturen einge­spannt und ihre Körpertemperatur über einen länge­ren Zeitraum ge­messen. Die Kanin­chen erleiden Stress und mögliche schädliche Wirkungen durch die In­jektion der Substanz.

Bereits in den 1990er Jahren wur­de von Wissenschaftlern an der Unversität Konstanz der sogenann­te Pyro­gentest entwickelt, der mit menschlichem Blut arbeitet, um Fieber er­regenden Substanzen auf die Spur zu kommen. (Wir berich­teten da­rüber in Heft 2/2009 sowie in wei­teren frühe­ren Ausga­ben.)

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Stundenlange Fixierung in Messapparaturen
Foto: One Voice

Bei dem Test wird eine mög­li­cherweise Fieber auslösende Sub­stanz den Blutproben freiwilli­ger Spender hinzugefügt. Anschließend  wird mit Hilfe von Farbreaktionen vollauto­matisch berechnet, ob und in wel­chem Maße die weißen Blut­zellen Fieber auslösende Substanzen aus­schütten. Mit dieser Methode er­hält man sehr ge­naue und wieder­holbare Ergebnis­se, die vor allem direkt auf den Menschen be­zogen sind.

­     Endlich wurde dieser Test euro­paweit anerkannt. Rund 200.000 Kaninchen jährlich kann nun un­nötiges Leid erspart werden. Im Gegensatz zu solch einem langen Prozedere auf dem Weg zur be­hördlichen Anerkennung für tier­versuchsfreie Methoden, wurden Tier­versuche völlig ungeprüft in ge­setzlichen Prüfvorschriften ver­an­kert. Die große Zeitspanne ist immer wieder un­verständlich, denn unzähli­ge Studien belegen, dass der Tierversuch eine überholte und ge­fähr­liche Wissenschaft ist, was nicht mehr wegzu­diskutieren ist.

Aus: Tierschutz aktuell 2+3/2010