Tierversuchsfreies Testverfahren weltweit anerkannt: Menschliche Haut statt lebender Kaninchen Drucken E-Mail

Silke Bitz, Dipl.-Biol., Fachreferentin

Im Juli dieses Jahres wurde auf inter­nationaler Ebene ein menschliches Hautmodell offiziell anerkannt, mit dem Substanzen auf ihre Haut schädi­gende Wirkung untersucht werden. Das Hautmodell, das unter Namen wie EpiDerm oder EpiSkin seit Jahren im Handel ist, verwendet menschli­che Haut, um zu prüfen, ob Chemi­ka­lien oder Kosmetika haut­reizend sind.

Im herkömmlichen Tierversuch wird den Tieren eine Substanz auf den geschorenen Rücken gerieben, um dann anhand der Schädigungen vage Rückschlüsse auf das Risiko für den Menschen zu ziehen.

Die neue Methode wurde schon 2009 auf EU-Ebene aner­kannt und fand nun endlich Eingang in offiziel­le OECD-Prüfkataloge. Damit müss­te sie eigentlich weltweit ver­bindlich angewandt werden und könn­te zahl­reichen Kaninchen eine qual­volle Ver­ätzung der Haut er­sparen. Allerdings ist es gängige Pra­xis, dass es dem Anwender über­lassen bleibt, anstelle anerkannter tierfreundliche­rer Metho­den den her­kömmlichen Tierversuch anzuwen­den; oder es wird zur vor­geblichen Absicherung zusätz­lich die Testung am lebenden Kanin­chen verlangt.

Die OECD (Organi­sation für wirt­schaftliche Zusammen­arbeit und Entwicklung), der die 32 größten In­dustrienationen der Welt ange­hören, legt in ihren Richt­linien fest, mit welchen Verfahren Chemika­lien für die globale Vermarktung ge­testet wer­den müssen. Im Regelfall dauert die behördliche Anerkennung einer tier­versuchsfreien Methode zehn bis fünfzehn Jahre.

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Künstliche Haut in Nährflüssigkeit
Foto: Ärzte gegen Tierversuche e.V.

Die Aufnahme der neuen, tier­ver­suchsfreien Methode in die OECD-Vorschriften wurde durch die Exper­tise von ICAPO erreicht. Das ist ein Zu­sammenschluss von Vereinigun­gen von Tier­versuchs­gegnern aus Nord­amerika, Europa und Japan, der einen Sitz bei der OECD hat.

Aus: Tierschutz aktuell 2+3/2010