| Namhafte US-Institutionen setzen auf tierversuchsfreie Methoden |
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In den USA gibt es einen erfreulich fortschrittlichen Trend: Wichtige Institutionen haben dort erkannt, dass Tierversuche unzuverlässig sind. Man will nun verstärkt Human-Daten und tierversuchsfreie Testmethoden zum Einsatz bringen.Die Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche e.V. gab hierzu am 01.12.2010 folgende Pressemitteilung heraus: Namhafte US-Institutionen setzen auf tierversuchsfreie MethodenDie US-Umweltschutzbehörde EPA (Environmental Protection Agency) rief bereits 2005 das Projekt ToxCast ins Leben. Dieses besteht aus 500 verschiedenen In-vitro-Tests, also Reagenzglas-Verfahren, mit denen die Gefahren von Chemikalien für Mensch und Umwelt zuverlässig vorhergesagt werden können. Bislang wurden vorhandene Tierversuchsdaten als Referenz verwendet. Nun sollen sinnvollerweise menschliche Daten zugrunde gelegt werden. Die Pharmaindustrie hat hierzu mehr als 100 Wirkstoffe beigesteuert, die in Tierversuchen vielversprechend erschienen, in der klinischen Prüfung am Menschen aber versagten. Diese Substanzen sollen nun mit den In-vitro-Tests durchgetestet werden und die Grundlage für zukünftige Medikamententests bilden. Ganz ähnlich funktioniert Tox21, ein Gemeinschaftsprojekt der US-Umweltschutzbehörde und der US-Gesundheitsinstitute NIH (National Institutes of Health), das darauf abzielt, die Risikobeurteilung von Umweltchemikalien zu verbessern. Seit Neuestem ist auch die US-Arzneimittelzulassungsbehörde FDA (Food and Drug Administration) an dem Projekt beteiligt. Kern des Projektes ist eine Datenbank aus 3.000 pharmazeutischen Wirkstoffen und 7.000 Chemikalien, die in den nächsten Jahren mittels automatisierter In-vitro-Verfahren mit menschlichen Zellkulturen getestet werden sollen. Computersysteme errechnen dann anhand dieser Daten die voraussichtliche Wirkung einer neuen Substanz. Zulassungsbehörden und Pharmaindustrie sollen Zugriff auf die Daten bekommen, um in Zukunft ohne Tierversuche die Wirkungen neuer Substanzen abzuschätzen. Das Gemeinschaftsprojekt setzt auf tierversuchsfreie Methoden, nicht nur wegen der besseren Übertragbarkeit auf den Menschen, sondern auch wegen ihrer Schnelligkeit. In-vitro-Tests charakterisieren eine Substanz innerhalb von ein bis fünf Tagen, während Tierversuche bis zu zwei Jahre dauern und bis zu 800 Tieren pro Substanz das Leben kosten können. Seit 1938 sind in den USA vor Beginn von klinischen Studien am Menschen für neue Medikamente Tierversuche vorgeschrieben. Für die Pharmaindustrie kann das mit einem hohen Kosten- und Zeitverlust verbunden sein, wenn die Substanz in der klinischen Phase wegen mangelnder Wirkung oder unerwünschter Nebenwirkungen durchfällt. Das neue System der FDA soll die Medikamentenentwicklung effizienter machen, da es sich an der Wirkung am Menschen orientiert und nicht an der von Tieren. „Wir wollen vom Tierversuch wegkommen", wird David Jacobson-Kram, geschäftsführender Direktor der Abteilung Pharmakologie und Toxikologie der FDA, in einem Artikel der Bloomberg-News zitiert. Und David Dix, stellvertretender Direktor des Zentrums für Computertoxikologie der EPA, fügt hinzu: „Tierversuche für die Vorhersage von Reaktionen des Menschen zu verwenden, funktioniert nicht, wegen der enormen Unterschiede zwischen den Arten." Die bundesweite Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche ist äußerst erfreut über die aktuelle Entwicklung in Amerika und fordert EU- und Bundesbehörden auf, sich dem Fortschritt nicht länger zu verwehren und der Tatsache Rechnung zu tragen, dass Tierversuche der falsche Weg sind. Solche Meldungen geben immer wieder Anlass zur Hoffnung. Wenn auch dieser Trend so schnell nach Europa übergreifen würde wie manch andere Sitten und Bräuche aus den USA, würden Tierversuche sich bald von selbst erledigen. Aber bislang haben sich die meisten unserer Politiker diesbezüglich leider als innovationsresistent erwiesen.
Aus: Tierschutz aktuell 1/2011 |

